Review: Deichkind – Leider gar nicht geil (2012-12-01@Showboxx)

Ein Review zum Deichkind Konzert am 01.12.2012 in der Showboxx zu Dresden. Ich war nicht da, weil mir der Deichkind-Spass-Techno-Ausverkauf gegen den Strich geht, aber lest selbst was Thomas zu sagen hat:

Es war der Abschluss der „Geider Leil“-Tour und zugleich das einzige Konzert von Deichkind in Ostdeutschland. Aber um das Konzert der Hamburger am vergangenen Sonnabend soll es an dieser Stelle gar nicht gehen, sondern eher um die Rahmenbedingungen, unter denen dieser Abend in der Messe stattfand.

Beim Veranstalter des Dresdner Konzerts von Deichkind handelte es sich um Frank Weisbach Events, also de facto um die Showboxx. Prinzipiell kann man also wohl davon ausgehen, dass die Organisation eines Events solchen Ausmaßes noch im Kompetenzbereich der Veranstalter liegen müsste.

Wenn jedoch im Vorfeld klar war, dass mehrere tausend Personen an jenem Sonnabend, wie auf den Tickets und im Netz ausgewiesen, gegen 20:30 an der Messe auftauchen, warum muss die Band dann schon kurz vor 21 Uhr mit ihrem Auftritt anfangen? Zu jener Zeit steckten im Untergeschoss und auf den Treppen des Foyers der Messehalle noch mehrere hundert Menschen an der Garderobe fest. Folglich verpassten diese auch gleich mindestens die ersten zwei Lieder des Konzerts. Und das nur, weil das offensichtlich zu knapp eingeteilte Personal mit solch einer Menge an Menschen verständlicherweise überfordert war. Ein ähnliches Bild bot sich auch nach dem Konzert.

Nun kann man bei einer Außentemperatur von – 2 Grad wohl davon ausgehen, dass einige der Besucher Taschen und Jacken abzugeben hatten. Und bei einem Preis von 1 Euro pro abgegebenen Stück, der hohen Besucherzahl und dem unterbesetzten Garderobenpersonal drängt sich die Vermutung auf, dass hier auf Kosten der Besucher eine private Goldgrube seitens des Veranstalters eröffnet wurde.

Aber während man sich dieses Spektakel ansehen konnte, wurde an einem anderen Ort im Foyer der Messehalle gleich die nächste Goldgrube privater Natur eröffnet. Und zwar an der Bar. Dort wurden nach Konzertende (wie es davor war, ist mir zumindest nicht ausreichend bekannt) notorisch halbvolle Bierbecher gezapft und ausgegeben. Das Argument des Personals im Hinblick auf diese Vorgehensweise lautete dann einfach, dass es sich um größere Becher handele und die angegebenen 0,4 Liter Bier darin nur „weniger“ aussähen, man aber faktisch mehr im Becher hätte, da es sich ja um ganz große Becher handelt. Ich frage mich daher, wie viel Fehlwahrnehmung einem Deichkind-Konzert-Besucher nach Ende der Show eigentlich zutraut?
Aber zu lange hätte man auch darüber nicht nachdenken sollen, denn mehr noch musste man sich darauf zu konzentrieren, auch wirklich eine Pfandmarke zum Becher zu erhalten, um nicht wie unzählige Personen anschließend den Becher abgeben zu wollen und nur ein Schulterzucken zu ernten, wonach dies ohne Marke natürlich nicht möglich sei. Wo der Pfand bei solch einem Hütchenspiel verbleibt und wer der Nutznießer einer solchen Praxis ist, scheint eindeutig.

Auch stellt sich die Frage, warum die gemeinnützige Trinkwasserinitiative Viva Con Aqua de Sankt Pauli eigentlich nur beim Dresden-Konzert von Deichkind keine Pfandaktion durchführen konnte, wenn dies doch ausdrücklicher Wunsch der Band selbst ist (wie beispielsweise bei der gesamten Deutschland-Tournee von Deichkind im Frühjahr 2012). Eine solche Aktion wäre wohl auch seitens der lokalen Viva Con Aqua Gruppe in Dresden gewünscht gewesen, wie schon bei der Spendenaktion im Jahre 2009 bei der damaligen „Krawall und Remmidemmi“-Tour von Deichkind.

So ist es bedauerlich, dass sich in Dresden scheinbar ein lokaler Veranstalter mit sein eigenem Catering-Konzept durchsetzt, obwohl sich dieses offensichtlich nicht mit den sozialen Interessen des Künstlers deckt bzw. ohne größere Umstände miteinander zu vereinen gewesen wäre?

Schlussendlich bleibt festzuhalten, dass das Konzert von Deichkind – wie zu erwarten war – ausgefeilt und exzessiv war. Der Rahmen des Abends muss jedoch als leider gar nicht geil bezeichnet werden.

von Thomas N.

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